Jennie
Jennie - Ein Tönnchen auf vier Beinen
Eine Geschichte über mich und mein kleines Pferdchen?
Nun ja, gar nicht so einfach, denn wo fängt man da an? Am besten von vorne! Dieser Anfang ist jetzt sechs Jahre her. Und ich weiß noch genau wie es war als SIE kam. Plötzlich hatte ich Verantwortung für ein 500 kg schweres Tönnchen. Ach Du meine Güte, war das aufregend! Es ist ja nicht so wie mit einem Hündchen, das man dann einfach bei Krankheit auf den Arm nimmt, aber - man gewöhnt sich an alles. Es hat ganz schön lange gedauert bis wir uns zusammen gerauft haben, wo wir doch beide keine Ahnung hatten. Eines war jedoch immer klar, wir wollten auf keinen Fall etwas falsch machen!
Es gab natürlich oft genug Missverständnisse, Tage an denen ich anschließend die ganze Wohnung vor Wut geputzt habe um mich abzureagieren, und das alles, weil ich sie nicht verstand. Oder sie spielte ihr ganzes Repertoire ab - doch es war alles nicht das was ich gerade von ihr haben wollte. Gut das man mit den Jahren dazu lernt und nach den vergangenen sechs Jahren kann ich nur sagen: Wir haben es richtig gemacht und sind auf dem richtigen Weg! Wenn der Tierarzt oder der Schmied zu uns kommen und die Pferde freiwillig "hinhalten". Oder wenn es auf die Reise geht und gedrängelt wird, wer zuerst in den Anhänger geht. Und wenn ich abends in den Stall komme, aus dem Auto steige und die Tür zu mache, und mein Pferd dann schon von weitem ruft: "Da bist du ja endlich - ich habe Hunger!" und ich mit ihr spreche und sie dann fragend rufe: "Wo bist du denn, ich sehe dich nicht?" und nochmals eine Antwort kommt: "Na hieeeer , beeile dich doch!", dann geht mein Herz auf. Mir macht es nichts, wenn ich manchmal wochenlang nicht reiten kann, das "drum herum" ist für mich das wichtigste. Im Sommer sitze ich gerne neben ihr auf der Wiese und höre einfach nur zu, wie sie zufrieden ihr Gras rupft. Für mich ist sie die Schönste, ihre ausdrucksvollen Augen, ihre dichte Mähne, den Bauch (den sie schon immer hatte) sehe ich nicht - nur die anderen machen mich immer wieder darauf aufmerksam. Ich sage dann immer nur : "Wartet ab wenn dieses Tönnchen einmal ins Rollen kommt, dann ist sie nicht mehr zu bremsen."Weiterbildungskurse haben wir beide auch schon besucht. Leider ist es nicht allzu einfach, da wir nur zwei Pferde besitzen und die andere dann immer alleine bleiben mussten. Kleben - dieses Wort haben wir erst kennengelernt seit wir Selbstversorger sind und jetzt ist es nicht mehr möglich eines der Pferde alleine im Stall zu lassen. Nachdem beim letzten Versuch die Stute meines Freundes über einen Jägerzaun gesprungen ist, ist mir der Ausflug ohne die andere Stute wirklich vergangen. (Fjordpferde sind nun nicht gerade bekannt für ihr Springvermögen, wenn sie auch weitläufig als ausgeglichene, ruhige und zuverlässige Anfängerpferde gelten, möchte ich gerne einmal den Anfänger sehen, der ohne mit der Wimper zu zucken auf dem rumhüpfenden Fjord sitzen bleibt oder gar mit ihm über den Zaun springt!)
Was wir uns nicht nehmen lassen ist unter anderem der Besuch des einmal im Jahr stattfindenden Freizeitreiterturnier in Königsfeld. Hier kann ich selbst meinen Freund begeistern, mit mir daran teilzunehmen, obwohl "dies alles nicht so seine Sache ist". Für mich ist es so, dass ich sehe wie weit beide sind und nach all den Jahren stelle ich fest, dass wir immer weiter kommen. Der Höhepunkt des letzen Jahres war, nachdem ich fast schon aufgegeben hatte und sie mir dann doch ihr Vertrauen schenkte, indem sie nach etlichen in den Jahren zuvor geleisteten spektakulären nicht gewollten Hinterhandwendungen, sich, nach einem prüfenden Blick, von mir durch den Wassergraben reiten ließ. Es ist nicht so, dass sie nicht durch Bäche geht. Im Gegenteil, wenn wir ausreiten, abgesehen von unserem allerersten Spazierganges, der u.a. eine Bachüberquerung beinhaltete und anschließend einen zweistündigen Umweg zur Folge hatte, geht sie ohne Anstalten durch jeden Bach, mit Ausnahme dem des Trailparcours.Eigentlich ist sie von uns beiden die Mutigere. Es gab oft schon Momente in denen ich sagte: "Hier reite ich nicht her." Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätten wir den Weg eingeschlagen. (Der eine oder die andere kann dies bestimmt bestätigen!) Beim letzten Turnier trafen im richtigen Moment die richtigen Hilfen und eine Sekunde des klaren Kopfes ihrerseits zusammen und so gingen wir jubelnd hindurch. Ich war so glücklich in diesem Moment! Jahre vorher hatte sie mir jedes Mal versucht zu zeigen, dass es einfacher wäre nicht durchs Wasser zu gehen, sondern die direkt daneben liegende Brücke zu benutzen. Prinzipiell musste ich ihr ja Recht geben aber diesmal konnte sie sich doch überwinden. Jetzt weiß ich, dass sie es kann! Beim nächsten Mal habe ich keinerlei Zweifel mehr.
Wir werden sehen, was unser nächstes Thema ist!? Die Wippe wird es nicht sein, denn die ist für sie kein Problem, zumal wir selbst eine Wippe auf dem Platz stehen haben und dies momentan noch die einzige Stelle ist, auf dem sie trocken draußen stehen kann. Oft bin ich schon zum Stall gekommen und dann stand mein Tönnchen wippend und wartete schon auf mich.Gemeinsame Urlaube haben wir auch schon zusammen verbracht. Seit 1996 fahren wir regelmäßig einmal im Jahr in die Eifel. (Mein Hündchen ist übrigens auch immer dabei, ich wollte euch dieses Foto nicht vorenthalten!)
Ich kann mich noch gut an einen Ausritt erinnern bei dem sie auch wieder so aufgeregt war, das ich es für besser hielt, mich von den anderen zu trennen. Eigentlich lief der Weg ziemlich parallel und es wäre keine Kunst gewesen, sich am Ende des Weges wieder mit den anderen zu treffen. Wir schafften es nicht und verirrten uns im Wald. Ein Baum sah wie der andere für mich aus. Von oben sah ich eine Straße und dachte mir, dass es die einzige Möglichkeit wäre, sich zu orientieren (vielleicht würde dort ein Ortsschild oder ein Wegweiser stehen) und so kletterte ich mich meinem mittlerweile wirklich ruhigen und auf mich eingestellten Pferdchen den Wald hinunter.Von den anderen wurde ich zwischenzeitlich schon vermisst. Sie waren schon mehrfach die Wege auf und ab galoppiert und ich war immer noch nicht am "Ziel". Die Straße hatten sie auch gesehen doch sie konnten sich nicht vorstellen, dass ich den Weg über die Landstraße wählen würde. Ich nahm diesen Weg und als ich unten an der Straße unten ankam, konnte ich mich an einer Fahne auf einem Berg orientieren, den ich sonst nur von der anderen Seite her kannte. Ich nahm mir Zeit für ein Foto (das musste ich einfach bildlich festhalten) und so zogen wir los und hatten wenigstens ein Ziel vor Augen.